Ein Ausflug nach Münster

Es war mal wieder Zeit für eine kleine Verrücktheit und deshalb sind Schatzi, die Tänzerin und ich am letzten Augustwochenende 2017 am Freitag nach Münster gefahren und am Samstag abend wieder zurück. Ursprünglich wollten wir ja einfach nur ein bißchen durch die Stadt schlendern und ein wenig shoppen, aber da kam uns natürlich mal wieder die Kunst in die Quere. Denn in diesem Jahr steht Münster wieder im Zeichen der großen Skulpturen-Schau, die alle 10 Jahre stattfindet. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.
Also ging es am Freitag vormittag mit dem Zug über Köln nach Münster. Dort am frühen Nachmittag angekommen, wollten wir erst mal was essen. Wir haben unsere Sachen ins Hotel gebracht und sind dann zum freitäglichen Wochenmarkt mit Bioprodukten auf den Domplatz gegangen. Gleich den ersten Wagen haben wir uns ausgesucht, es gab Bratwurst, Bratkartoffeln und Kraut.
Während wir dort warteten, bis wir dran waren, sprach mich eine junge Frau auf Englisch an und fragte mich, ob das Hot Dogs seien. Sie schien aus Asien zu kommen und kannte deutsches Essen wohl nicht. Ich habe ihr dann erklärt, was Bratwurst ist und dass es hier Bratwurst, Bratkartoffeln und Sauerkraut und Rotkraut gibt. Sie war völlig aufgeregt und begeistert, weil sie das unbedingt probieren wollte. Nachdem wir bestellt hatten, hat Schatzi sie eingeladen, sich zu uns zu setzen. Sie kriegte sich fast gar nicht mehr ein vor lauter Freude, dass sie endlich deutsches Essen probieren konnte und auch nicht allein essen musste.
Und so kamen wir ins Gespräch. Wir fragten sie, woher sie käme und ob sie wegen der Ausstellung in Münster sei.
Stellte sich heraus, Teresa Barrozzo kommt aus Manila und ist Komponistin/Klangkünstlerin. Daraus entspann sich eine wunderbare Unterhaltung über Musik, Töne, Lärm, Stille und was sie für uns Menschen bedeuten. Worüber wir am meisten schmunzeln mussten, war jedoch die Tatsache, dass Teresa fand, dass es in Deutschland ziemlich leise ist (es dauerte nicht lange, da begannen am Dom die Glocken zu läuten). Manila sei extrem laut: überall rufende Menschen, laute Autos und Motorräder bis tief in die Nacht hinein.
Interessant war auch, dass Teresa ein halbes Jahr als Stipendiatin in New York gewesen war, dort von Landsleuten befrängt wurde, doch dazubleiben, sie aber unbedingt zurück auf die Philippinen wollte, um ihren Landsleuten die Klangkunst/Tonkunst näher zu bringen. Am liebsten im öffentliche Raum. Nicht in Konzerten und Ausstellungen, die nur von Menschen besucht werden würden, die ohnehin schon der Kunst aufgeschlossen gegenüber stehen.
Nach einer Weile wollten wir dann aber gehen, um noch ein paar Skulpturen anzuschauen. Wir haben uns von Teresa verabschiedet und sind dann zum Prinzipalmarkt gegangen. Von dort ging es in eine Seitengasse und da in eine Kirche, deren Türen offen standen und in der wir einiges an Skulpturen sahen. Wir also nix wie hinein. Und was wir da alles entdeckten! Toll!

Das hier waren eindeutig unsere Lieblinge:

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Wu Jia Hui – Contended Heart

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Fidelma Massey – The Great Egg

Sind die nicht cool? Es gab natürlich noch viel mehr Skulpturen, aber die stelle ich hier jetzt nicht alle ein.
Überall in der Stadt sind Kunstwerke zu sehen, aber wir haben uns nur auf wenige beschränkt. Ein wenig Einkaufen waren wir dann auch noch.
Nach einem lecker Abendessen in den Köpi Stuben (der Apfelpfannkuchen ist schwer zu empfehlen!) sind wir zurück zum Hotel gegangen, da wir ja am Samstag noch ein wenig shoppen und über’s Wasser laufen wollten.

Nach einem guten Frühstück ging es dann wieder zum Prinzipalmarkt und dann nach einer kleinen Shoppingtour mit dem Bus zum Stadthafen.
Von weitem sahen wir schon, wie die Menschen über’s Wasser liefen:

Bruecke-von-weitem

Das wollten wir natürlich auch. Die Tänzerin und ich waren gut vorbereitet. Wir hatten unsere Badelatschen mitgenommen, denn wir hatten gelesen, dass Ayşe Erkmens Projekt On Water (Auf dem Wasser) aus Metallgittern bestand, die unter Wasser eine Brücke bildeten. Und das ist natürlich mit nackten Füßen nicht ganz so angenehm.
Wir also Schuhe aus, Socken aus, in die Badelatschen und hinein.

ueber-wasser-laufen

Koepper
Ich konnte es mir natürlich nicht verkneifen, so zu tun, als wollte ich ins Wasser springen. Ich bin halt eine kleine Wasserratte mit Sternzeichen Fische. :-)
Es war einfach wunderbar so durchs Wasser zu laufen. Das Wasser war relativ klar und sauber und richtig schön erfrischend an diesem doch leicht schwül-warmen Tag.
Schatzi wollte übrigens nicht mit hinein. Sie ist für im Wasser puddeln nicht so zu haben. Dafür hat sie dann jede Menge Bilder von uns gemacht. Sie war auch sehr froh, dass ich ein rotes T-Shirt anhatte, so konnte sie uns immer gut finden. :-)

Bald ging es wieder ins Zentrum der Stadt. Wir liefen noch ein wenig auf dem Prinzipalmarkt herum und während wir dort entlang schlenderten, sahen wir mehrere ältere Trecker, die links und rechts die Straße entlang standen. Einige von ihnen hatten Anhänger, auf denen tatsächlich auch Skulpturen standen.

Trecker
Das Bild ist mir leider nicht ganz so gut gelungen, aber ich wollte es Euch trotzdem zeigen.

Nach einem lecker Eis in Raphaels Eismanufaktur in der Nähe unseres Hotels (Schatzi und die Tänzerin hatten unter anderem Veilcheneis probiert) ging es dann Richtung Bahnhof, um wieder nach Hause zu fahren.

Vielleicht sollte ich noch kurz erwähnen, dass an diesem Samstag auch CSD in Münster war. Allerdings haben wir den nicht auch noch besucht. Aber es liefen ziemlich viele Junglesben in der Stadt herum. Es ist doch schön zu sehen, dass es uns auch in Münster gibt. :-)

Ach ja, noch ein Nachtrag: zuhause angekommen, habe wir uns sofort Teresa Barrozzos Homepage angeschaut.
Die junge Frau hat ja ganz schön Understatement betrieben. Da hatten wir den Eindruck, dass sie eine junge Anfängerin in Sachen Komposition und Klangkunst ist, nur um dann festzustellen, dass sie jede Menge Filmmusik komponiert und auch bereits einige Auszeichnungen eingeheimst hat! Tsk!

Jurorin für einen Buchpreis – Bücher lesen kann ganz schön anstrengend sein

Wie Ihr ja vielleicht letztes Jahr gelesen habt, waren Schatzi, Petra, die Tänzerin und ich in Washington, D.C. bei der Preisverleihung der Golden Crown Literary Society (GCLS) für die besten Lesbenbücher 2015 in verschiedenen Kategorien.
Da habt Ihr Euch bestimmt gefragt (oder auch nicht, ich beantworte die Frage jetzt trotzdem) wer denn diese besten Bücher ausgesucht hat?
Waren das die am meisten verkauften Bücher? Haben die Organisatorinnen der Veranstaltung die ausgesucht? Sind die auf den diversen Blogs, die es zur Lesbenliteratur im englischsprachigen Raum gibt, ausgewählt worden?
Nö, nö und nö.
Es gab eine schnöde Jury. Und die besteht aus an lesbischer Literatur interessierten Menschen, die sich alle für diese Aufgabe bewerben können und dann nach Beantwortung diverser Fragen, unter anderem zu ihrer Unabhängigkeit von den nominierten Büchern und deren Verlagen, ausgewählt werden.

Und da hatte ich doch, noch in meinem Enthusiasmus aufgrund der wunderbaren Veranstaltung in Washington, die “großartige” Idee, mich selbst für die Jury zu bewerben. Was soll ich noch sagen: ich wurde ausgewählt. Da war ich ja schon eine Runde platt. Wirklich damit gerechnet hatte ich nicht.

Na gut. Auf ins Abenteuer.

Bevor ich Zugang zu den Büchern auf dem Jury-Portal der GCLS bekam, musste ich erst an einer Schulung teilnehmen. Dabei handelte es sich um ein Webinar, in dem die Teilnehmerinnen Informationen über die Tätigkeit als Jurorin erhielten und auch Fragen dazu stellen konnten.
Z.B. über die Verpflichtung zur Geheimhaltung. Dass wir nicht über unsere Bewertungen der Bücher sprechen oder schreiben, welche Kategorie uns zugeteilt wurde und dass wir erst nach der Preisverleihung bei der Konferenz überhaupt bekannt machen dürfen, dass wir in der Jury waren.

Es ging natürlich auch um die Herangehensweise. Ein Buch zur Unterhaltung zu lesen ist was anderes, als unter dem Aspekt zu lesen, dass ich hinterher eine Bewertung abgeben werde. Okay, ich rege mich beim Lesen sowieso schon mal über Rechtschreib- und Grammatikfehler, unlogische Wendungen in der Geschichte oder unglaubhafte Charaktere auf. Aber jetzt kam halt noch dazu, dass ich das auch gut begründet schriftlich kommentieren musste. Bin ich jetzt eine Korinthenkackerin, wenn ich das Buch schlechter bewerte, nur weil zwei Rechtschreibfehler drin waren? Ist das gerechtfertigt?
Und in dieser Schulung und den dazugehörigen Dokumenten wurde mir erst mal richtig klar, dass es ganz schön viele Dinge gibt, worauf zu achten wäre:
– Formatierung
– Charakterzeichnung
– Dialoge
– Erzählstruktur
– genre-spezifische Kriterien (ein Krimi sollte schon Krimi-Elemente enthalten und ein historischer Roman in der Vergangenheit spielen :-) )
und anderes mehr.

Und natürlich ganz wichtig: der lesbische Inhalt. Kommen in dem Buch Lesben vor, gibt es lesbische Beziehungen oder geht es in dem Buch um lesbische Themen oder Lesbenleben? Fehlt dieser Bereich, wird das Buch gar nicht erst zugelassen. Und dann kommt es darauf an, was die Jurorin dazu meint.

Wie werden die Bücher ausgewählt, die dann gelesen und bewertet werden?

Wie schon gesagt, der lesbische Inhalt ist das Wichtigste.
Dann muss das Buch zwischen dem 01. Januar und 31. Dezember eines Jahres erschienen und erwerbbar sein. Egal, ob im Buchladen oder online.
Es müssen Erstauflagen sein. Neuauflagen sind nicht zugelassen. Und es muss in Englisch geschrieben sein.
Das Buch muss entweder als E-Book oder als Papierbuch zur Verfügung gestellt werden. Von letzterem mindestens 5 Exemplare und eine Gebühr wird auch fällig. (Das bedeutet natürlich, dass es in der Regel die Verlage sind, die ihre Bücher nominieren.)
Das sind die wichtigsten Kriterien.

Ach ja: einen Einsendeschluss gibt es natürlich auch. Je nachdem, wann im Jahr das Buch erschienen ist, muss es bis zu einem bestimmten Termin eingereicht werden. Sonst könnte es passieren, dass fast alle Bücher erst sehr spät im Jahr oder gar am Anfang des nächsten Jahres eingereicht werden und das bedeutet Stress für die armen Jurorinnen, denn auch die haben eine Deadline (15. April des nächsten Jahres, also 15. April 2017 für Bücher aus 2016).

Ende September, Anfang Oktober ging es dann mit den ersten Büchern los.
Da ich ja in Deutschland wohne und die Golden Crown Literary Society in den USA sitzt, bekam ich E-Book-Versionen der vorgeschlagenen Bücher über eine spezielle Internetseite zur Verfügung gestellt. Es wäre einfach zu teuer gewesen, mir einen Haufen Papierbücher zu schicken. Denn in einzelnen Kategorien werden schon mal locker über 30 Bücher nominiert, die von jeder Jurorin in dieser Kategorie gelesen werden müssen und das würde ganz schön ins Porto gehen.

Ich oute mich hiermit übrigens als E-Book-Novizin. Vor dieser Aufgabe als Jury-Mitfrau hatte ich erst ein Buch in der E-Book-Version gelesen und das auch am Rechner und nicht auf einem Reader.

Nun ja, für das Lesen von mehr als 25 Büchern kam mein Schlepptop nicht in Frage. Ganz abgesehen davon, dass ich den schon gar nicht mehr hatte. Es musste also ein Reader her.
Ich habe dann auch bald einen gefunden und konnte mit dem Lesen beginnen.

Die Bücher waren von sehr unterschiedlicher Qualität. Manche waren super toll, spannend und sehr gut geschrieben, manche hatten eine tolle Grundidee, waren aber nur mäßig und dann gab es auch noch richtig schlechte, durch die ich mich durchquälen musste. Es war sogar eins dabei, bei dem ich mich die ganze Zeit fragte: “was hat das in dieser Kategorie zu suchen?” Ich habe mich dann die Koordinatorinnen gewandt und sie darauf hingewiesen. Ich war aber wohl nicht die Erste, die sich darüber gewundert hatte. Leider hatte wohl die Autorin darauf bestanden, in dieser Kategorie nominiert zu werden und die Koordinatorinnen bestätigten dann meine eigene Einschätzung, dass ich dieses Buch schlechter bewerten müsste, da es ja nicht die genre-spezifischen Anforderungen, die es in dieser Kategorie gab, erfüllte.

Ich las zu jeder Gelegenheit. Auf dem Weg ins Büro, auf der Toilette, beim Zähneputzen, wenn ich von meinem Schreibtisch aufstand und in die Küche ging, um mir was zu trinken zu holen. Mit der Zeit wurde das Ganze schon anstrengend. Insbesondere natürlich bei den schlechteren Büchern. Und normalerweise lese ich ganz gerne mehrere Bücher gleichzeitig, die in der Regel sehr unterschiedlich sind. Also auf dem Weg ins Büro schon mal eine Biografie, beim Zähneputzen ein Sachbuch und zwischendurch dann noch einen Roman. Das ging jetzt leider gar nicht und so wurde mein SUGB (Stapel ungelesener, gedruckter Bücher) überhaupt nicht kleiner.
Mehr als 25 Bücher in fast sieben Monaten klingt jetzt erst mal nicht so viel. Aber Ihr dürft dabei ja nicht vergessen, dass Autorinnen lesbischer Literatur häufig einen Hang zu epischer Breite haben. Und die Englischsprachigen bzw. Englischschreibenden schon mal ganz und gar. :-)

Aber das Ganze hat auch Spaß gemacht. Sich mal so richtig ausführlich mit Lesbenliteratur und deren Qualität auseinanderzusetzen, wann macht Lesbe das schon?

Ein paar Tage vor der Deadline hatte ich es dann endlich geschafft. Alle Bücher waren gelesen, alle Bewertungen in die Datenbank eingegeben und ich hatte plötzlich wieder Zeit, das zu lesen, was ich wollte.
Es ist schon komisch: erst dieser Druck, nur die vorgegebenen Bücher lesen zu können und dann es zu bedauern, dass es vorbei ist. Das berühmt-berüchtigte Loch, das nach der Erledigung einer größeren Aufgabe auftaucht. Das kannte ich noch aus meiner Zeit als Theater-Regisseurin. Nach der Premiere war ich immer ziemlich leer im Kopf und gleichzeitig davon überzeugt, dass ich doch noch irgendwas machen muss.

Als dann im Juli die Preisverleihung während der diesjährigen Konferenz in Chicago stattfand, habe ich mich riesig gefreut, dass meine Lieblingsbücher gewonnen hatten!
Die E-Books durfte ich behalten. Weiterverkaufen natürlich nicht. Ich habe aber die Bücher, die ich nicht leiden konnte, wieder vom Reader runtergeschmissen. Der liegt übrigens jetzt erst mal für eine Weile im Bücherregal. Jetzt ist wieder Papier angesagt. Wer weiß, vielleicht wird dat arme Ding ja mal wieder hervorgekramt, falls ich sowas noch mal machen sollte. :-)

Ein interessanter Tag auf der documenta14 in Kassel

Es ist mal wieder so weit….
Die größte Kunstausstellung der Welt ist dieser Tage in Kassel zu sehen.
Und klar…. da müssen wir hin.

Die Recherche zu diesem Besuch gestaltete sich außerordentlich schwierig. Es war kaum möglich, herauszufinden, welche Werke von welchen KünstlerInnen sich an welchen Orten befinden. Die documenta14-Homepage ist ein einziges Desaster. Sogar der Ausstellungskatalog („Daybook“ genannt) gab zu dieser Frage nichts her. Auch meine heißgeliebten TV-Kulturjournale und die Kunst-Fachzeitschrift einer Freundin brachten kein Licht ins Dunkel. Wie sollten wir also interessante Werke von Künstlerinnen finden?
Nach stundenlangen Recherchen in vielen Mittagspausen wurde ich endlich „ein wenig“ fündig. Einige Regionalzeitungen hatten ReporterInnen zur documenta14 geschickt. Aus deren Reportagen habe ich dann endlich ein paar interessante Hinweise bekommen.
Damit war ich nicht wirklich zufrieden, fühlte mich aber nicht mehr so ganz unvorbereitet.*

Am Samstag standen wir also früh auf (was tut frau nicht alles für die Kunst) und fuhren gemütlich mit dem Zug und in netter Gesellschaft von drei lieben Freundinnen nach Kassel.
Es war Ferienzeit und der Zug fuhr bis Rügen. Trotzdem hatten wir Glück und konnten sitzen. In Kassel trafen wir weitere zwei Frauen und waren dann zu siebt.

Mit der Regionalbahn fuhren wir von Bahnhof Wilhelmshöhe zum Kasseler Hauptbahnhof (3 Min.). Von dort liefen wir dann in die Stadt hinunter. An der Haupteinkaufsstraße gab es dann auch endlich Eintrittskarten zu kaufen.

Ein paar Schritte noch und wir standen vor dem berühmten „Parthenon of books“ der argentinischen Künstlerin Marta Minujín:
Parthenon-von-Seite

Bis zu 100.000 verbotene Bücher passen in die vielen Quadratmeter Buchhüllen, die die Wände des Kunstwerks bilden. Es geht um Bücher, die irgendwo auf der Welt zu irgendeinem Zeitpunkt verboten waren. Manche Buchtitel lassen staunen: „Alice im Wunderland“, „Harry Potter“, „Das doppelte Lottchen“. Andere waren zu erwarten: „Der Fänger im Roggen“, Onkel Toms Hütte“, „Die satanischen Verse“.
Das Parthenon ist größer als ich dachte und nimmt fast gesamten Friedrichsplatz ein.
Allerdings reicht es nicht an die Ausmaße des Athener Parthenons heran.
Von weitem schimmern die Bücherwände silbern bis perlmuttfarben, was uns zu der Feststellung veranlasste, dass viele Bucheinbände nicht gerade farbenfroh sind.

Vorm Fridericianum stand eine lange Schlange von BesucherInnen, die sich aber relativ flott bewegte. In dieser Kunsthalle sind überwiegend Werke aus Athen zu sehen, vom 1. Teil der documenta14, der ja in Athen stattfindet.
Größere Taschen und Rücksäcke mussten in einem Spint-Container zwischengelagert werden.
Während der Wartezeit konnte frau schon mal die neue Giebelschrift des Fridericianums anschauen. Da stand „Being safe is scary“ – ein Werk der Künstlerin Banu Cennetoglu. Natürlich haben wir diskutiert, was das wohl bedeuten mag.
Being-Safe

Gleich am Eingang war das erste Kunstwerk auf dem Boden: Die Videoinstallation eines Bodenmosaiks
Installation

Leider sehr schwierig zu fotografieren wegen des Musters im Steinboden und weil viel zu viele Menschen darauf „herumhampelten“ – aber sehr schön.

Ein weiteres Highlight war ein ganz besonderer Webstuhl.
Webstuhl
Titel: Slumber. Untertitel:

Was wäre, wenn es sich nach seiner Rückkehr nach Ithaka herausgestellt hätte, dass die legendenumwobenen Abenteuer des Odysseus nie stattgefunden hatten und stattdessen nur und tatsächlich Penelopes Träume gewesen waren, die „Monstren der Psyche“, die Janine Antoni beschreibt?

(von der documenta14-Internetseite)

Ein paar Schritte entfernt war die documenta-Halle mit dem Schwerpunkt Ethnokunst, Retro, Textilien und Farbe.
Und tatsächlich, es gab viele bunte Kunstwerke zu sehen: von bunten Masken und Tierskulpturen über großformatige farbenfrohe Gemälde, ein sehr langes schmales gesticktes Wandbild der samischen Künstlerin Britta Marakatt-Labba (Seite ist auf schwedisch).
Labba2

Labba1

(sehr schön) bis hin zu der Installation blutroter Wollstränge der chilenischen Künstlerin Cecilia Vicuna.

rote-straenge

Sehr schön war in der documenta-Halle auch der Loungebereich – ein Cafeteria im Keller mit Terrasse. Und sogar ein Teil des angrenzenden Parks war mit Tischen und Bänken bestückt, so dass frau wunderbar im Grünen sitzen konnte. Die Preise für Essen und Getränke waren
– wie erwartet – üppig, aber …. – anders als bei vielen Gartenschauen – war die Qualität der angebotenen Speisen sehr gut. Die Bedienung hat uns sogar Eis am Stiel an den Tisch gebracht. Ein wunderbarer Ort zum „Chillen“ (wie das heute so heißt).

Vor der documenta-Halle stand noch die Skulptur des irakischen Künstlers Hiwa K – eine Ansammlung von „möblierten“ Röhren, die an Flüchtlinge erinnern sollen, die im Hafen von Patras in solchen Röhren gehaust haben.

Höchste Zeit für einen Besuch im documenta14-Shop, ein kleines Paradies mit vielen Kunstbildbänden, Kunstzeitschriften und Kunstpostkarten sowie documenta14-Merchandise.

Weiter ging es auf der Straße „Schöne Aussicht“, die ihrem Namen alle Ehre machte – ein großartiger Blick auf Kassel und das Umland.

Vor der Neuen Galerie wieder ein lange Schlange – in praller Mittagssonne.
Dieser Ort ist der Erinnerung und der Archivierung gewidmet.
Wir kehrten erst mal in einem der Gastronomie-Pavillons ein, schwätzen und beratschlagten den weiteren Weg.
Einige von uns taten sich tatsächlich das hochsommerliche Schlange stehen an und gingen in die Neue Galerie. Andere gingen durch die Einkaufsstraße zu einem bekannten Kaufhaus.
Hmmmm….. nein, nein… weder zum Shoppen noch zum Kunstgucken.
Auf dem oberen Parkdeck (6. Stock) ist für die documenta14 ein Loungebereich mit Liegestühlen, Getränken und Eis eingerichtet samt grandiosem Blick auf Kassel gratis – insbesondere auf das Parthenon.

Parthenon-von-oben

Langsam trafen wir uns alle wieder am Hauptbahnhof, fuhren gemeinsam zum IC/ICE-Bahnhof Wilhelmshöhe und verabschiedeten uns dort von der Freundin aus Bremen.
Alle anderen fuhren pünktlich und bequem im Bistrowagen sitzend nach Frankfurt.

Ein spannender, interessanter Tag mit viel Kunst in einer schönen Stadt in netter Gesellschaft.

*Anmerkung: Bei der Suche nach den Links für diesen Artikel entdeckte ich, dass die Homepage der documenta14 wohl überarbeitet worden ist. Mittlerweile gibt es tatsächlich Links zu den Veranstaltungsorten mit einer Liste der dort ausstellenden KünstlerInnen und den Kunstwerken. 4 Wochen nach der Eröffnung!!!! Link: documenta14.

entfesselt! – Malerinnen der Gegenwart – Eine Ausstellung im Schloss Achberg

Manchmal sind Schatzi und ich ja schon ein wenig verrückt. Da sehen wir am späten Samstagabend in der österreichischen Kultursendung LEBENS.ART einen Beitrag über die Malerin Xenia Hausner und schon setzen wir uns um halb zwei Uhr nachts vor den PC und suchen nach einer Ausstellung von ihr.
Prompt haben wir eine gefunden: im Schloß Achberg am Bodensee. Genauer gesagt: zwischen Lindau am Bodensee und Wangen im Allgäu. Keine dreiviertel Stunde später hatten wir uns einen Termin ausgewählt, Bahnfahrkarten und Hotel rausgesucht und das CarSharing-Auto vorreserviert.
Und das Beste dabei war ja noch: diese Ausstellung umfasste nicht nur Bilder von Xenia Hauser sondern von weiteren 18 (!) Malerinnen der Gegenwart.

So ging es denn Ende Juni mit dem Zug nach Lindau und von dort mit dem Auto nach Oberreitnau zu unserem Hotel. Das Gasthaus Ziegler, das wir uns ausgesucht hatten, war allerdings um die Uhrzeit, als wir ankamen, noch in der Mittagspause. Wir beschlossen daher, schon mal den Weg zum Schloß Achberg zu erkunden, damit wir am Samstag morgen nicht noch groß herumirren würden.
Allerdings war die Vorerkundung gar nicht nötig gewesen. Durch die malerische allgäuische Landschaft kurvend, haben wir das Schloß ziemlich rasch gefunden. Oder sollte ich sagen: den Waldweg dorthin? Na, wenn wir schon mal da sind und es ist ja noch Zeit, gehen wir doch einfach gleich und sofort in die Ausstellung. Gesagt, getan.


Ist das nicht idyllisch??? Jau, schon, aber auch ziemlich steil. Wir hatten ja jetzt gar nicht damit gerechnet, auch noch durch den Wald stiefeln zu müssen und hatten dementsprechend auch Sandalen an. Na gut, wir haben es ja so gewollt.
Bald entdeckten wir auch die Fahne am Tor zum Schloss, die auf die Ausstellung entfesselt! – Malerinnen der Gegenwart hinwies.

Das Schloß an sich ist sehr hübsch und vor allen Dingen war es wunderbar kühl da drinnen. Denn leider war es hier in der Nähe des Bodensees temperaturmäßig nicht viel besser als in Frankfurt.

Hier ein Bild aus dem Inneren des Schlosses:

Auf drei Stockwerke verteilt hingen die Bilder der Künstlerinnen in kleinen und größeren Räumen und auf den Fluren.
Sie waren vom Kurator der Ausstellung verschiedenen Themen zugeordnet worden.

Und jetzt kommt leider eine doofe Nachricht: die Bilder in der Ausstellung durften nicht fotografiert werden. Deswegen kann ich Euch nur Links zu den Künstlerinnen zur Verfügung stellen:

Cornelia Schleime
Isabelle Dutoit
Xenia Hausner
Alex Tennigkeit
Zohar Fraiman
Justine Otto
Kathrin Landa
Verena Landau
Marianna Krueger
Franziska Guettler
Rosa Loy
Sarah Schumann
Eva Schwab
Christa Näher
Marlene Dumas
Miriam Vlaming
Cecily Brown
Stephanie Dost
Katharina Immekus (leider keine brauchbare Internetseite gefunden)

Viele dieser Künstlerinnen sind übrigens im MalerinnenNetzWerk Berlin-Leipzig. Es lohnt sich sehr, diese Seiten ebenfalls anzuschauen!

Falls Ihr Euch die Zeit genommen habt, ein paar der Seiten anzuschauen, ist Euch bestimmt aufgefallen, wie vielfältig die Bilder sind. Es war eine wirklich tolle Ausstellung in wirklich tollen Räumen. Wäre schön, wenn die Ausstellung noch an anderen Orten so oder so ähnlich gezeigt werden würde.

Dieser Beitrag ist auch zu finden unter Schatzis on Tour

Ein Besuch der Leipziger Buchmesse 2017 – kurz danach

Endlich bin ich angekommen. Und ich bin natürlich nicht die Einzige. :-)
Es ist auch dieses Jahr wieder ziemlich voll. Aber wenigstens ist es nicht ganz so warm in den Hallen, wie es in den letzten paar Jahren war. Es macht schon einen kleinen Unterschied, wenn die Sonne nicht aufs Hallendach aus Glas knallt.

Für mich ging es heute hauptsächlich in die Halle 5. Dort waren die deutschen Verlage, die Literatur für Lesben, von Lesben herausbringen und einen Stand auf der Messe haben, versammelt: Argument Verlag mit Ariadne, Aviva-Verlag, Ulrike Helmer Verlag, konkursbuch und der Querverlag.
Im Katalog hatte ich noch einen neuen Verlag mit dem Namen Weibsbilder entdeckt.
Und dazu nun die Frage: welche Art der Literatur erwartet Ihr beim Verlagsnamen Weibsbilder??
Bücher über starke, kluge, unbeugsame, tapfere Frauen? Frauen als Hauptfiguren in den Geschichten? Ja, das hatte ich auch erwartet. Womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte, war: Gay Romance in allen Formen und vor allem Farben. Ich war sprachlos. Auf allen Buchcovern am Stand waren Männer zu sehen. Vorzugsweise mit nackten Oberkörpern, natürlich mit Waschbrettbauch.
Hatte ich da was verpasst? Hatte es eine Umdeutung des Begriffs Weibsbilder gegeben, was ich mal wieder nicht mitbekommen hatte? Da musste ich doch mal jemanden dazu befragen. Am besten einen schwulen Mann. Denn am Stand der Weibsbilder hingen auch noch überall fröhlich munter die Regenbogenfähnchen rum. Also, ab zu Querverlag und den Chef Jim Baker befragen. Das führte dann zur

Quizfrage des heutigen Tages:

Schreiben heterosexuelle Frauen, die Gay Romance – also Liebesgeschichten mit gutaussehenden schwulen Männern als Hauptfiguren – für heterosexuelle Frauen schreiben, queere Literatur?

Das ist doch mal eine gute Frage, oder? Mit dieser Problematik sieht sich momentan Jim Baker vom Querverlag aus Berlin konfrontiert, der zu einer Veranstaltung auf der Buchmesse eingeladen wurde mit dem Thema Queer Literatur – Herausforderungen und Probleme eines Genres.
Klingt zunächst mal wunderbar, oder?
Das Problem war nur, zu diesem Thema eingeladen waren zwei Autorinnen, die Gay Romance schreiben und Jim Baker als Verleger, der u.a. Literatur von Schwulen für Schwule herausgibt.
Es war keine Lesbe vorgesehen, keine Trans*-Person.
Das klang doch eher nach einer Veranstaltung, wo es nur um Schwule gehen sollte. Aber ist Gay Romance schwule Literatur? Wahrscheinlich gibt es Schwule, die Gay Romance lesen. Warum auch nicht? Aber: passt das zum Thema Queer Literatur???? Wollen wir wirklich ALLE mitnehmen???

Jim hat dann darauf bestanden, dass auch noch eine Lesbe und eine Trans*-Person eingeladen wird. Die veranstaltenden Ladies waren darüber zunächst völlig verwirrt. Sie verstanden das Anliegen nicht. Und eine der Autorinnen hat abgesagt. Sie schien beleidigt zu sein, weil Jim Baker Gay Romance nicht als queere Literatur gelten lassen wollte.
Nun ja, jedenfalls nimmt nun mit Doris Hermanns eine Lesbe an der Diskussion teil. Die angefragte Trans*-Person hatte auch abgesagt.
Schade, dass ich am Samstag nicht dabei sein kann. Es interessiert mich brennend, wie die Diskussion ablaufen wird. Vielleicht kriege ich das ja noch irgendwie heraus.

Nach diesem Erlebnis bin ich dann noch rüber in Halle 4 zum Übersetzerforum gegangen. Da kenne ich mich aus. Überraschungen gab es da keine. :-)
Die Veranstaltungen zum Thema Übersetzen werden in Leipzig vom Verein der literarischen ÜbersetzerInnen, dem VdÜ und der Weltlesebühne organisiert. Insgesamt gibt es zwölf Veranstaltungen zum literarischen Übersetzen auf der diesjährigen Buchmesse. Unter anderem wurden auch die Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Übersetzung vorgestellt:

Holger Fock und Sabine Müller: Kompass von Mathias Enard aus dem Französischen
Gregor Hens: Shark von Will Self aus dem Englischen
Eva Lüdi Kong: Die Reise nach Westen von unbekannter Verfasser aus dem Chinesischen
Gabriele Leupold: Die Baugrube von Andrej Platonow aus dem Russischen
Petra Strien: Die Irrfahrten von Persiles und Sigismunda von Miguel de Cervantes aus dem Spanischen

Gewonnen hat übrigens Eva Lüdi Kong. Ich habe das Buch gesehen und mal in der Hand gehalten. Wahnsinn! Das Buch hat 1320 Seiten! Das hat ein paar Jahre gedauert, das zu übersetzen. Beeindruckend.
Und es soll eines der vier beliebtesten Bücher in China sein. Ich vermute stark, dass die chinesische Version nicht ganz so dick ist. Wenn ich mich recht erinnere, werden ja mit den chinesischen Schriftzeichen häufig mehr als ein Wort abgebildet.

Dann war es auch schon wieder Zeit für die Rückfahrt.
Und so sitze ich nun etwas müde und fußlahm im Zug und werde wohl noch ein wenig lesen oder auch schlafen. Je nachdem.

Bis zum nächsten Mal.

Ein Besuch der Leipziger Buchmesse 2017 – kurz vorher

Es ist wieder soweit. Die Leipziger Buchmesse hat ihre Tore geöffnet und ich bin mal wieder auf dem Weg dorthin. Dieses Zugfahren ist doch extrem praktisch. In aller Ruhe gemütlich sitzen, ein bisschen lesen, ein bisschen was essen, ein bisschen E-Mails bearbeiten, ein bisschen die Augen zu machen und schlafen oder ein bisschen Blog zu schreiben.

Ich bleibe heute nicht soo lange auf der Buchmesse. Die letzten Male haben mir gezeigt, dass es sowieso viel zu anstrengend ist mehr als vier Stunden da herumzulaufen und ich beschränke mich deshalb, mir die Stände und Programmpunkte anzusehen, die ich mir vorher ausgesucht habe. Praktisch ist in diesem Falle, das fast alle Verlage, die ich besuchen möchte, in einer Halle sind. Das schont die Füße doch sehr!

Wir werden bald in Leipzig ankommen und mal schauen, vielleicht kann ich ein wenig direkt von der Buchmesse berichten. Sonst spätestens auf der Fahrt zurück.

Is ja schon wieder Frankfurter Buchmesse!

Gestern bin ich mal wieder über die Frankfurter Buchmesse getobt.
Okay, getobt ist vielleicht ein wenig übertrieben, es war dann doch mehr ein Schlendern.

Da gab es wieder einiges zu entdecken.
Zunächst habe ich mir im Forum Agora den Pavillon des Ehrengastes/der Ehrengäste Flandern & Die Niederlande angeschaut. Der Auftritt auf der Buchmesse steht unter dem Motto „Dit is wat we delen“ (Dies ist, was wir teilen). Von der Homepage:

Flandern und die Niederlande teilen nicht nur eine gemeinsame Sprache, das Niederländische, sie können auch auf eine gemeinsame Geschichte zurückblicken, besonders im Bereich der Kultur und Literatur.

Dort gab es nicht nur Bücher zu sehen sondern auch ZeichnerInnen, die vor Ort arbeiten, eine kleine Kunstinstallation und natürlich auch Lesungen und Gespräche. Schon recht interessant, wenn auch der Raum an sich jetzt trotz der Projektionen von Strand und Meer nicht ganz so spektakulär war. Muss aber auch nicht immer sein.
Übrigens: draussen gibt’s belgische Schokolade und Fritten!

Weiter ging’s dann in Halle 3, wo ich auf Ebene 3.1 erst mal ne Runde die KollegInnen am BDÜ-Stand besucht habe.
In Halle 3.1 sind dieses Mal die Stände mit Papeterie (also Karten, Geschenkpapiere etc.) untergebracht und als ich dann meine Runde fortsetzte, kam ich zufällig an einen Stand, der Karten mit Motiven hatte, die mich stark an die Zeichentrickfilme von Monty Python erinnerten. Das musste ich mir doch mal näher anschauen. Besonders, als mir dann der Name, besser gesagt, der Untertitel, ins Auge fiel: PABUKU – The Queer Paperie.

Klasse! Schicke Postkarten mit abgefahrenen queeren Motiven! Ob lesbisch, schwul oder hetero und anders: hier sind endlich die passenden Karten zu finden, die auch noch ungewöhnlich sind.
Das sind übrigens die ersten Karten, die ich mit der Rückseite nach vorn im Laden präsentieren würde. Dann ist die Freude über die wunderbare Vorderseite noch größer.

Ich muss hier jetzt einfach mal ein Bild von der Pabuku-Homepage reinsetzen (ich bin so frei, liebe Ladies von Pabuku):

Pabuku 2

Das Einzige, was mich ein wenig stört ist, dass die Karten alle in Englisch sind. Aber da sind die Geschmäcker ja verschieden.
Also ich sag ja immer: diese österreichischen Lesben, die überraschen doch immer wieder! :-) Und ich wünsche Euch jedenfalls extrem viel Erfolg!

Ich bin dann noch ein bißchen durch die Reihen geschlendert, hatte aber bald das dringende Bedürfnis nach frischer Luft. Es war aber auch ziemlich voll gestern. Zum Glück hat es nur etwas genieselt, es war also durchaus möglich, sich draußen ein wenig länger aufzuhalten. Okay, warm und sonnig war es nicht, aber ich bin da ja nicht so.

Ein Besuch der Halle 4 stand auch noch an. Dort befinden sich in diesem Jahr die meisten der deutchen Belletristik-Verlage und auf Ebene 4.2 sind die Fachbuchverlage untergebracht. (Ja, da war ich auch kurz. Muss doch den Anschein der beruflichen Beschäftigung mit Büchern aufrecht erhalten. 😉 )

In 4.1 habe ich dann den Konkursbuchverlag und den Querverlag besucht und einen kleinen Abstecher in den nächsten Gang zu den Bücherfrauen unternommen.
Die Bücherfrauen verleihen übrigens seit 1996 die Ehrung BücherFrau des Jahres, eine Auszeichnung für Frauen in der Buchbranche, die sich insbesondere für Frauen im Buchsektor engagieren. In diesem Jahr ging die Auszeichnung an Anita Djafari, die mit dem Verein Litprom – Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V. sehr stark Autorinnen aus den genannten Ländern fördert.
Litprom vergibt auch seit 2013 (vorher war es eine Initiative) den LiBeraturpreis an einen Titel einer Autorin aus Afrika, Asien, Lateinamerika oder der arabischen Welt. Und dann gibt es noch die Litprom-Bestenliste Weltempfänger, die viermal im Jahr erscheint und die besten Autorinnen und Autoren der geförderten Regionen vorstellt.
Nach der Preisverleihung bin ich dann zügig wieder rüber in Halle 4 gelaufen, um auch noch am traditionellen Sektempfang des Querverlags teilzunehmen.

Es war mal wieder ein langer, etwas anstrengender Tag auf der Buchmesse, aber es hat sich wirklich gelohnt.
Sonntag mache ich dann wieder Standdienst beim BDÜ. Mal gucken, wer so schaut.

Buchvorstellung: Lea Daley – FutureDyke

Während Schatzi ein Buch im Literaturhotel Franzosenhohl gefunden, gelesen und besprochen hatte, las ich ein mitgebrachtes Buch.
Ich bin ein Science-Fiction-Fan. Ich liebe Captain Janeway, las mit Begeisterung Töchter der Morgenröte und vor kurzem habe ich noch mit Schatzi darüber diskutiert, wie es wohl wäre, in einer fernen Zukunft aufzuwachen.
So war ich dann mehr als erfreut, als ich FutureDyke von Lea Daley fand und letztes Wochenende endlich Zeit hatte, es zu lesen.

Klappentext:

It was a desperate choice. Stay and die, or accept cryosleep and wake in the near future cured. Leslie Burke chose to sleep.
She awakens to the unthinkable—four thousand years and more have passed. Leslie and others like her are revived as scarcely tolerated refugees from the past.
Beset with loneliness and confusion, Leslie grapples with the enormity of the changes around her. Faxims live alongside humans, but she quickly realizes that the greed and duplicity of the human heart haven’t changed.
Concerned only with finding a place for herself in a new world, Leslie can’t fathom why she is singled out for scrutiny by the ruling Council. Who can she call friend? How can she trust her own heart, especially regarding the alluring—but not quite human—Aimée?

Nachdem sie sich aufgrund eines inoperablen Hirntumors Mitte des 21. Jahrhunderts in Kryoschlaf hat setzen lassen, findet sich Leslie nicht nur in einer 4000 Jahre fernen Zukunft sondern auch noch auf einem künstlich erschaffenen Asteroiden, Jashari, wieder.
Mühsam nur gelingt es ihr, sich in der neuen Welt, die eine ideale zu sein scheint, zurechtzufinden.
Zur Seite gestellt wird ihr ein sogenannter VTO (Variable Techno-Organism), eine künstliche Lebensform, die aber durchaus sehr menschliche Seiten hat. Ein VTO kann Gedanken lesen und die Form wandeln und für Leslie nimmt sie eine weibliche Form an. Leslie nennt den/die VTO nach einer Weile Aimée und Aimée hilft ihr dabei, sich an das Leben auf Jashari zu gewöhnen.
Auf Jashari wird das vulkanische Prinzip, dass die Bedürfnisse der Vielen (oder des Ganzen) über den Bedürfnissen der Einzelnen stehen, gelebt. Ein Konzept, das auch dazu geführt hat, dass Kunst und andere Lebensformen – sprich: Tiere – auf dem Asteroiden nicht vorkommen. Individualität ist unerwünscht, alle sind gleich.
Was aber nicht so ganz stimmt, denn die sogenannten Returnees (Rückkehrer), die sich haben einfrieren lassen und nach und nach aufgetaut und geheilt werden, stechen aus der gleichförmigen Gesellschaft heraus. Sie sehen anders aus als die Jasharianer und sie sprechen zunächst auch nicht deren Sprache.
Daley beschreibt ausführlich den langen, langsamen Prozess von Leslies Ankommen auf Jashari. Ihren Kampf gegen das Heimweh, die Trauer um ihre Liebste Meredith, die zurückblieb und das Hineinfinden in die neue Welt.

Nach einer Weile merkt aber auch Leslie, dass diese vermeintlich so tolle und ideale Welt nicht ganz so toll und ideal ist.
Auch scheint sie Teil einer uralten Prophezeihung zu sein, die besagt, dass es durch die Ankunft einer Frau mit roten Haaren und grünen Augen (beides hat Leslie) große Umwälzungen auf Jashari geben wird.
Soll sie jetzt diese Rolle annehmen oder sich dagegen wehren?

Ich will hier jetzt aber nicht weiter erzählen. Das würde dann doch ein wenig zuviel von der Geschichte verraten.

Insgesamt hat mir Lea Daleys Roman sehr gut gefallen.
– die Gesellschaft, in der alle gleich sind,
– der Kampf Leslies mit sich selbst, sich in diese Gesellschaft einzufügen,
– die Abschaffung der Religion, weil diese als egoistisch gilt,
– die Technik, durch Vorstellung Kleidung, Gegenstände, ganze Häuser, Essen zu erschaffen
– die unterliegenden Konflikte, Unstimmigkeiten zwischen den Jasharianern und den Rückkehrern…
All dies wird gut, interessant und relativ realistisch beschrieben.
Nur zum Ende hin will Daley ein wenig zuviel. Es wäre besser gewesen, die letzten paar Kapitel wegzulassen. Ich jedenfalls bin kein großer Fan obskurer Wiederauferstehungen.

FutureDykeLeaDaley
FutureDyke
Lea Daley
Science Fiction
Bella Books, 2014
ISBN 9781594933943

Buchvorstellung: Joanna Bator – Wolkenfern

Ein intuitiver Griff in die Bibliothek des Literaturhotels Franzosenhohl in Iserlohn hat mir ein wirklich interessantes Leseerlebnis beschert: “Wolkenfern” von Joanna Bator, einer der bekanntesten zeitgenössischen polnischen Autorinnen. Und…. was anhand des Umschlagtextes nicht zu erahnen war: Es kamen Lesben darin vor – Überraschung.

Die Handlung spielt zwischen ca. 1930 und der Gegenwart in Polen, Deutschland, den USA und Griechenland – immer wieder mit Rückblicken und Erinnerungsschilderungen in die frau -manchmal mühsam- mitspringen muss. Es gibt nur vordergründig eine Protagonistin. Hauptfiguren sind eigentlich mehrere Frauen, deren Lebensgeschichten miteinander verwoben sind. Da sind z.B. die “Teetanten” – zwei Frauen, von denen niemand so recht weiß, ob sie nun Schwestern oder Cousinen oder anderweitig “unaussprechlich” miteinander verwoben sind (Lesben Nr. 1 + 2 von ?). Sie bekommen ein Findelkind, ein Mädchen, das sonst niemand haben will und kümmern sich liebevoll und sorgfältig um das Kind. Sie geben das Kind zu Nonnen in Sicherheit vor den Nazis, überleben -wenn auch schwer gezeichnet- das KZ und kehren mit dem Kind wieder zurück nach Hause. Widrige Umstände führen dazu, dass die Teetanten spurlos verschwinden und das inzwischen ca. 16-jährige Mädchen sich alleine durchschlagen muss. Sie landet nach vielen Wirren und drei unehelichen Töchtern, deren Erzeuger sie selbst nicht kennt, in München – als Ehefrau und mit einem weiteren Kind. Sie tanzt für ihr Leben gern und geht jeden Abend alleine in den Wald. Als die Tochter einer Schulfreundin in Polen einen schweren Autounfall erleidet, sorgt sie dafür, dass diese junge Frau in München behandelt wird. Aus dem Koma erwacht, lernt die junge Frau eine schwarze Krankenschwester aus New York kennen (Lesbe Nr. 3 von ?) und bekommt eine Digitalkamera geschenkt, die ihr später noch viel Ruhm und Anerkennung bringen wird. Statt nach Polen zurückzukehren, geht die junge Frau mit der Krankenschwester zunächst nach Frankfurt, dann nach Gelnhausen. Dort heiratet sie einen schwulen Konditor aus einer erzkonserativen amerikanischen Familie, der eine Frau zum Vorzeigen braucht, um nicht enterbt zu werden. Durch diese Heirat kommt die junge Frau zu einem Visum für die USA und geht mit der Krankenschwester nach New York. Sie wird Vorleserin für eine alte Frau, eine wohlhabende Jüdin aus Polen – aus der Gegend, aus der auch die junge Frau stammt. Der Tod der Großmutter veranlasst die junge Frau in ihre polnische Heimat zu reisen. Dort trifft sie eine Jugendfreundin, eine Ärztin, die in London lebt (Lesbe Nr. 4 von ?). Nach der Beerdigung folgt sie ihr nach London. Die Empathie der jungen Frau und ihre Fähigkeit, sowohl zuzuhören als auch spannend zu erzählen, führen die junge Frau erneut in die Dienste einer alten Dame, einer Griechin, die noch immer tief um ihre tödlich verunglückte Tochter trauert. Am Ende des Buches sind alle, die der jungen Frau wichtig sind, auf einer griechischen Insel in den Sommerferien – einer Insel mit matriarchalen Strukturen: Die Mütter vererben nur an die Töchtern, sie bestimmen den Alltag und verdienen den Unterhalt. Die Männer haben nichts zu sagen und arbeiten auch nicht. Jeden Abend baden all die starken griechischen Frauen der Insel gemeinsam im Meer. Welche nun aber glaubt, das Buch ende uneingeschränkt idyllisch griechisch und happy, die irrt sich.

Der Fokus der Handlung liegt durchweg auf den Erlebnis- und Gedankenwelten von Frauen – Großmütter, Mütter, Töchter, Tanten, Nachbarinnen. Männer kommen vor, sind aber von keiner großen Relevanz. Es geht um Erinnerungen, um Veränderungen, um Weggabelungen, um Loslösungen und neue Verbindungen, um Brüche nach traumatischen Erlebnissen. Die “Urmütter” der Handlung sind die “Teetanten” – die Wegbereiterinnen, zu ihrer Zeit von ihren abergläubischen Mitmenschen misstrauisch beäugt, aber doch hochgeschätzt und nach ihrem Verschwinden mystisch verklärt.

Das 500-Seiten dicke Buch enthält viele sehr detaillierte Erzählungen und Erinerungen, von denen ein Teil sicherlich für den Handlungsstrang verzichtbar wäre. Aber der Schreibstil der Autorin ist sehr interessant. Frau könnte meinen, dass sie die Figuren alle selbst kannte oder kennt, denn Charakterisierung und Verhalten sind stets sehr präzise – oft zum Augenrollen (z.B. Homophobie und Papstgläubigkeit der polnischen Figuren). Aber die Autorin scheint allen Figuren die Chance zu Veränderung einzuräumen und diese zunächst unvorstellbaren Veränderungen treten auch teilweise ein und sind aus der Entwicklung und aus dem Lebensweg der jeweiligen Figuren durchaus nachvollziehbar.

Das Buch liest sich nicht mal so nebenbei. Dazu ist es zu komplex – sowohl von der Zeitschiene mit ständigen Rückblenden als auch von der komplexen Handlung und den vielen Figuren, deren Namen frau sich merken muss (ja, auch Namen, die zu Anfang nur eine scheinbar untergeordente Rolle spielen, tauchen am Ende noch einmal an wichtigen Punkten der Handlung auf).

Sehr empfehlenswert – wirklich gute Literatur.

PS: Und ob Ihr’s glaubt oder nicht: Der Nachttopf von Napoleon Bonaparte spielt doch tatsächlich auch eine wichtige Rolle….

JoannaBatorWolkenfern
Wolkenfern
Roman
Joanna Bator
Aus dem Polnischen von Esther Kinsky
Suhrkamp Verlag, 2013
Gebunden, 499 Seiten
ISBN: 978-3-518-42405-6

Buchvorstellung: Corinna Behrens – Indianer im Kopf

Klappentext:

»Ich zwang mich, meinen Blick von ihr zu lösen und mein Herz zur Räson zu bringen. Ich schien nicht mehr Herrin meiner Sinne zu sein. Wie denn auch, wenn meine Traumfrau direkt vor mir stand?« 
Ausgerechnet in die neue Pastorin muss sich Jacki Hals über Kopf verlieben. Sie heißt Mirjam und ist natürlich verheiratet: mit dem ebenso smarten, wie undurchsichtigen Pastor Huber. Als dieser auch noch ihr Vorgesetzter wird, ist ihr Arbeitsverhältnis von Beginn an problematisch.
Für Jacki ist dieses Gefühlschaos eine mittlere Katastrophe, denn sie hat es sich in ihrem Leben bequem eingerichtet. Ihre beste Freundin Monika, die sich spirituell den Indianern verbunden fühlt, nennt sie »Schwester Hasenfuss«, weil sie nicht zu ihrer lesbischen Seite stehen kann. Nach einer gemeinsamen Meditation mit rituellem Kiffen treten plötzlich auch in Jackis Leben Indianer, die sich nicht mehr so einfach abschütteln lassen. 
Welche Rolle spielen Spirit Hawk und die alte Indianerin Mahpea? Und welches dunkle Geheimnis umgibt Pastor Huber? Mehr und mehr überschreitet Jacki die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit.

Na, ich glaube, das ist das erste Lesbenbuch, das ich gelesen habe, in dem Vechta vorkommt (ich komme gebürtig aus dem Landkreis Vechta) :-)
Okay, okay, Vechta wird nur erwähnt und spielt in dem Buch sonst überhaupt keine Rolle. Aber ich fand das trotzdem witzig.

Corinna Behrens beschreibt sehr unterhaltsam und kurzweilig Jackis Konflikte zwischen Kirche, Glauben und Kleinstadtleben auf der einen und Jackis Lesbisch-sein auf der anderen Seite. Dieses Versteckspiel, wenn es um die eigene Sexualität geht, versteht und/oder kennt wahrscheinlich jede, die aus einer kleineren Stadt oder vom Dorf kommt; dass es die kleinen Fluchten in die größere Stadt braucht, um dort die lesbische Seite auch einmal ausleben zu können.
Es ist durchaus nicht einfach, sich aus bekannten Strukturen zu lösen; was natürlich auch und insbesondere für eine Pastorin (Mirjam) gilt, die wohl noch mehr zu verlieren hätte, als eine einfache Angestellte (Jacki) der Kirche.

Trotzdem beginnen Jacki und Mirjam eine heimliche Affäre, die auf keinen Fall herauskommen darf.
Als dann aber die Gerüchte und Spekulationen im Ort losgehen, dass Jacki vielleicht lesbisch sein könnte und auch Mirjams Privatleben eine dramatische Wendung nimmt, versucht Jacki dann doch allmählich, auf die Indianer im Kopf zu hören, die sich dort sein einiger Zeit vehement bemerkbar machen.

Mehr soll an dieser Stelle aber nicht verraten werden. Nur so viel:
Einige Vertreter der evangelischen Kirche kommen in diesem Buch nicht sehr gut weg und es gibt auch einige Passagen, die für manche Leserinnen problematisch zu lesen sein könnten (Triggerwarnung für das Buch: häusliche Gewalt).

Alles in allem aber ein gutes Buch, dass ich gerne gelesen habe und das durchaus am Ende noch so viel Raum läßt, dass eine Fortsetzung möglich sein könnte.

Indianer im Kopf Eine lesbische humorvoll-spirituelle krimina
Indianer im Kopf
Roman
Corinna Behrens
Broschiert: 320 Seiten
Butze-Verlag, 2016
ISBN: 9783940611451